Besser Sticken mit der Stickmaschine – Gute Stickdateien #7

Heute gibt es den nächsten Teil der „Besser sticken“ Serie. Unser Thema der Welt der Stickmaschinen ist dieses Mal: Gute Stickdateien

Gute Stickdateien

„Gute Stickdateien“,……. dazu habe ich (Nette) natürlich eine Menge zu sagen! Und Kasia wird das sinnvoll ergänzen. Wir müssen das hier stark begrenzen. Wir widmen uns den Stickdateien, die hier in „unserer“ Szene so verarbeitet werden. Denn das Thema ist endlos und es gibt ja eine Menge Möglichkeiten, eine Stickmaschine zu nutzen und ebenso viele Stickdatei-Varianten (Lace, redwork, ITH, usw.).

Wir bleiben also bei den gestickten Motiven aus Flächen und Linien.

Wie erkläre ich jemandem, der nicht selbst digitalisiert (=Stickdateien erstellt, nennt man auch „punchen“), was man dabei alles „falsch“ machen kann und worauf man als „Kunde“ achten sollte, wenn man Stickdateien kauft?


Wie erkenne ich eine „gute“ Stickdatei?

Fangen wir mal mit dem Einfachsten an:

Ich sehe oft in Shops „Auszugsbilder“ aus dem Stickdateienprogramm. Die sehen natürlich toll aus.

Zur Beurteilung der Qualität reicht das für den Kunden allerdings nicht, ich als Stickdateienhersteller sehe da schon oft Schwächen und Fehler, der „Laie“ sieht das aber nicht. Das „simulierte“ Bild aus dem Stickdateienprogramm zeigt nicht das Stickergebnis! Ganz oft kommt es vor, dass erstellte Stickmuster auf dem Rechner korrekt und toll aussehen, im ausgestickten „Bild“ jedoch massive Probleme auftauchen. Warum das so ist? Weil die Programme weder das Material, noch den Stickmaschinentyp, noch die Garnstärke, noch die Einstellungen der Maschine berücksichtigen können.

Größtes Problem dabei ist der Verzug und die Überlappung von Flächen und Linien, sowie zu dicke Stellen, wie sie gerne an Augen und ähnlichen kleinen Elementen, die mehrere Farben „übereinander“ haben, auftreten. Ihr kennt sicher vom Sticken diese Knubbelstellen….

Gut beurteilen kann man die Qualität also nur an reellen Fotos.

Gutes Beispiel sind diese Bilder aus dem Probesticken, links das Simulationsbild aus dem Stickdateienprogramm, rechts gestickt, an der Blume an der Brust kann man das Problem sehr gut erkennen, auch dass die Innenkreise der Blumen nach dem Sticken nicht richtig rund sind, das muß dann korrigiert werden.

Dazu die wichtigsten Kriterien:

Zwischen Flächen und Flächen oder Linien dürfen keine Lücken sein. Die Stickrichtung sollte bei angrenzenden Flächen nicht die gleiche sein, sonst laufen die Farben ineinander und es gibt keine schöne Abgrenzung. Ränder von Applis mit Satinrand müssen dick/breit genug sein, damit der darunter geschnittene Stoffrand wirklich nicht ausfransen kann. Sind die Elemente zu dicht digitalisiert, so beschädigt die Stickerei den Untergrundstoff durch zu dichte Perforation und verziet den Stoff vielleicht noch dazu.

Bei Liniendateien die Qualität zu beurteilen ist schwieriger… Hier wäre außer einem schönen Stickbild noch die Frage, ob die Elemente durch Verbindungsstiche miteinander verbunden sind , oder unendlich viele Spannfäden stehen bleiben, nur wenige kleinere Stickmaschinen schneiden ja Fäden… Leider sieht man das auf Fotos von fertigen Linien (redwork etc.) Motiven nicht.

Eine gute Stickdatei ist so digitalisiert, dass die logische Anordnung der Stiche wenige oder fast keine Spannfäden beinhaltet. Natürlich geht es nicht immer: einige Spannfäden muss es je nach Design geben.


Eine Stickdatei muss von der Reihenfolge der Sticksequenzen und somit Farbwechsel gut durchdacht sein. Je nach Design muss man z.B. erst weiss, dann schwarz und anschliessend nochmal weiss sticken, weil die eine Farbe die anderen, gerade gestickten Elemente abdecken muss, oder weil so zu viele Spannfäden für ein sauberes Stickbild vermieden werden. Allerdings sehe ich es oft (in eigentlich gut digitalisierten Dateien), dass 30 Farbwechsel mit 8 eigentlichen Farben gemacht werden, die auf die Hälfte reduziert werden könnten, zwar mit ein paar Spannfäden mehr aber ohne das die Stickbildqualität beanträchtig wird. Zeit ist für mich nähmlich auch ein Qualitätsfaktor.

UNSER wichtigster TIP:

Kauft nur dort, wo Euch Fotos vom Gestickten in Großaufnahme gezeigt werden!

Ihr seht NUR am Foto vom Gestickten, wie es ausgestickt wirklich aussieht und ob es ordentlich gemacht ist. Die „Auszugsbilder“ aus dem Stickprogramm, auch in 3D, haben kaum Aussagekraft.

Denn im Stickdateien-Programm sieht das erst mal immer alles ganz passend und bündig aus.

Wie entsteht eine gute Stickdatei?

 Man kann aus fast jedem Motiv eine „gute Stickdatei“ machen, das Motiv ist Geschmackssache, darum soll es hier nicht gehen, sondern um die technische Umsetzung.

Wir arbeiten mit so genannter „Sticksoftware“ oder „Digitalisierungsprogrammen“.

Aus vektorähnlichen Flächen und Linienobjekten setzen wir nach Motivvorgabe verschiedene Elemente zu einem Stickmotiv zusammen. Dabei bestimmen wir die Füllungen und Linien, die Stickreiehenfolge, die Stickdichte, die Stickrichtung, die Farbwechsel, Lauf- und Spannfäden und vieles mehr. Das Programm erstellt also eine „Steuerungsdatei“ für Stickmaschinen. Diese bestimmt die Bewegung des Stickrahmens und der Nadel.

Eine gute Stickdatei entsteht durch Erfahrung, sehr viel Geduld, das richtige Auge und sehr gründliches Probesticken. Wie schon oben erwähnt, liefert das Stickprogramm KEINE perfekt Simulation des Stickergebnisses, wir müssen also viel testen. Je nach Anspruch an die Perfektion gehen da auch mal Stunden ins Land. Für manche kleinen Gesichter mit feinen Augen habe ich auch schon 10x oder mehr probesticken müssen, obwohl es auf dem Bildschirm immer alles perfekt aussieht. Probesticken heißt eben NICHT, ein Designbeispiel anfertigen, sondern mehrmals sticken, dann korrigieren, dann wieder sticken, dann nochmals korrigieren…. und so weiter…immer an dem entstehenden Stickbild gesehen. Ich unterscheide gerne zwischen „technischem“ Probesticken und dem Anfertigen von Designbeispielen.

Stickdateien müssen getestet werden

Wenn man eine „gute“ Stickdatei kauft, die man auf einer „einfachen“ Haushaltmaschine sticken möchte ohne Macken, dann muss die Stickdatei auch auf diesen Maschinen, und zwar verschiedenen und auch auf verschiedenen Materialien, getestet sein. Dafür hat man dann Probesticker. Das macht für mich u.a. die Qualität einer Stickdatei aus. Man kann Dateien auch für bestimmte Untergründe digitalisieren, in der Profiszene und Logodigitalisierung macht man das eigentlich immer, denn grade beim Sticken auf besonderen Materialien muß man Einiges beachten, damit das Ergebnis optimal ist.

Hier seht ihr nochmal einen Auszug aus dem Programm, ein erstes Stickergebenis und dann die Korrektur.

Wir hier stellen ja vor allem Stickdateien für den „gemischten“ Gebrauch her… unsere Kunden sticken auf Webware, Jeans, Stickfilz und Jersey/Sweat. darauf muß auch die Stickdatei abgestimmt sein, wir versuchen also einen Mittelweg zu finden, damit eine Datei auf möglichst allen Materialien gut läuft.

Dem sind aber Grenzen gesetzt…. manchmal durch das Design (eine Heidi hat nunmal schwarze Außenlinien, auch wenn diese beim Sticken oft „heikel“ sind) und manchmal ist bei den Haushaltmaschinen nicht die Präzision da. Es kommt also vor, dass man bei manchen Motiven sagen muß, dass sie z.B. für Jersey nur begrenzt geeignet sind… da ist es oft besonders heikel mit dicht gestickten Flächen.

Welche Möglichkeiten beim Stickdateien erstellen gibt es?

Es gibt viele Möglichkeiten, die Variablen auch nach dem Motiv einzusetzen… man kann Rillen prägen… Aussparungen machen, Stickrichtungen im Kreis oder als Welle anordnen, es gibt unendlich viele Flächenfüllungen, Bordüren und Strichmuster … also ganz viele Varianten, das Motiv auch „schön“ und trotzdem gut stickbar zu gestalten. Da gibts es unendliche Möglichkeiten, die bei den Dateien, die hier so üblich sind, lange nicht ausgeschöpft sind. .

Es gibt da viele Varianten, die ermöglichen, aus einem Motiv eine Stickerei zu machen, in der auch die Gestaltung der Datei alles ausschöpft, was Faden und Nadel so auf Stoff in Form einer Stickerei produzieren können.

Wichtig finde ich noch, die „Gestaltungselemente“ des Stickens in dem jeweiligen Motiv umzusetzen… Es gibt ja viele Möglichkeiten, eine Fläche zu gestalten und auch bei Linien und anderen Elementen gibt es viele Varianten. Hier könnt ihr verschieden Füllflächenarten und verschiedene Stickrichtungen gut sehe.

Flächen und Füllungen sind dann perfekt eingestellt, wenn sie zum Motiv passen… (eine Flächenfüllung die winklig oder eckig ausschaut sieht z.B. als Fell oder Gesicht nicht gut aus) . Kurvenund geraden sollten sorgfältig bearbeitet sein, es gibt nichts Schlimmeres, als bucklige Kurven. Hat man als Muster aber ein Haus oder andre Motive, die eher nicht organisch sind, können „eckige“ und „gemusterte“ Füllungen schön sein.

Mit ein bisschen Stickerfahrung werdet ihr selbst solche Feinheiten erkennen.

Schau ruhig mal genauer hin und lasst Euch mal in verschiedenen Shops gestickte Muster in groß anzeigen, man bekommt dann ein Auge dafür, wenn man darauf achtet.

Wir hoffen, ihr habt ein paar neue Infos bekommen. Wer sich weiter beschäftigen möchte, findet unten ein Paar links zu weiterführender Literatur.

Bleibt zu erinnern, man kann es ja nicht oft genug sagen:

Richtig sticken

Die „Werkzeuge“ spielen eine immens wichtige Rolle beim Sticken. Die Haushalts-Stickmaschinen sind in der Regel sehr gut, jedoch natürlich nicht so präzise wie Profimaschinen. Wichtig ist dass Ihr Eure Maschine gut pflegt und regelmässig zum Service bringt. Eine Stickdatei kann noch so gut sein, aber wenn man die anderen Faktoren wie Stabilisierung, Nadeln, Garn etc nicht beachtet, so wird auch eine perfekt  digitalisierte Stickdatei ausgestickt nicht schön aussehen.

So, das wars von zum Thema „Gute“ Stickdateien!

Ein schönes Wochenende wünschen euch eure

http://regenbogenbuntes.blogspot.de/

und Kasia von Mäde! by Kasia

 

Bis dahin getreu nach unserem neuen Motto…

Liest Du noch oder Stickst Du schon 

Alles Liebe

Wer Lust hat, sich noch mehr in die Materie einzulesen, dem empfehle ich das Buch „Punchen“

Bei der Autorin BonnieNielsen könnt ihr Euch tolle Beispiele für sehr kreative und „andere“ Stickmuster anschauen. Ich habe ihre Sachen „live“ auf einer Messe gesehen und war begeistert über die Andersheit ihrer Arbeiten. Das Buch ist für alle, die gut sticken wollen, sehr zu empfehlen. Es erklärt die Techniken des Digitalisierens und des „perfekten“ Stickens…. 

Und für die unter Euch, die sich für das „Digitalisieren“ interessieren, gibt es hier bei linniepinnie eine schöne Einführung. 

Alle gezeigten Stickdateien wurden von regenbogenbuntes digitalisiert.

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