Besser Sticken – Sticken auf gewebter Baumwolle

Hallo, Ihr Lieben, da bin ich wieder mit dem dritten Teil unserer Besser Sticken Serie. Richtig Sticken auf gewebter Baumwolle ist heute unser Thema!

Sticken auf gewebter Baumwolle

Sticken auf gewebter Baumwolle, beziehungsweise auf gewebten Stoffen, ist eine der einfacheren Aufgaben. Es kann jedoch trotzdem einige Herausforderungen mit sich bringen. Im Folgenden werde ich einige dieser Probleme ansprechen und Tests durchführen. Ich werde heute einmal mit dünnem gewebtem Stoff (Popeline/Fahnentuch) arbeiten. Anschließend besprechen wir das Sticken auf Canvas/ Köper/ Jeans.

Gewebte Stoffe findest Du im Stoff & Liebe Onlineshop hier.  Die Stickdatei, die wir hier verwenden, findest Du ebenfalls im Stoff & Liebe Onlineshop und zwar hier.

Einspannen oder nur auflegen?

In der Industrie wird immer, wo immer es möglich ist, eingespannt. Ich gestehe, dass ich diese Regel nicht immer befolge (Faulheit). Oft klappt es ganz gut, aber manchmal bereue ich meine Faulheit im Nachhinein. Also wenn Du die besten Resultate erzielen möchtest, sei nicht faul! Es ist wesentlich kürzer alles einzuspannen, als neu zu sticken. Wie man korrekt einspannt, kannst Du  im letzten Beitrag der Stick Serie nachlesen.

Sticken auf dünnen gewebten Stoffen

Die Entscheidung, ob ich einspanne oder nicht, hängt im Wesentlichen von der Stickdatei ab. Sticke ich einfache Konturen wie Redwork oder Blackwork (kleine Muster), entscheide ich manchmal explizit, faul zu sein. Sonst ist es wirklich besser einzuspannen. Konzentrieren wir uns aber auf unser Motiv, welches wir durch die ganze Serie auf unterschiedliche Stoffe sticken wollen.

Stickmuster verstehen

Zu beachten ist, dass die Farben, die man auf der Stickmaschine sieht, nicht immer mit der PDF Farbkarte übereinstimmen. Das ist einfach so. Manchmal ändern sich die Farben im Konvertierungsprozess, weshalb man bei komplexen Mustern immer nach den Farblagen sticken sollte. Wir können natürlich selber entscheiden, in welchen Farben wir etwas sticken, aber wenn z.B. die Augen plötzlich durch die Konvertierung gelb oder rot werden, sehen wir das im direkten Vergleich mit der Farbkarte, und können solche Probleme vermeiden. Nehmen wir an, dass das Weiße der Augen hier plötzlich rot wäre – das sieht komisch aus und würde uns ärgern, wenn wir es fertig gestickt hätten.

 

Fragst Du Dich, was ich da gerade labere? Das erkläre ich Dir ganz schnell im Video, und falls Du Dich fragst, ob Du so was immer beim Sticken anschauen musst, die Antwort ist NEIN. Ich möchte nur, dass Du es technisch verstehst. Der Hauptpunkt ist immer nach der Farbkarte zu sticken. Wenn Du andere Farben nehmen möchtest, ändere Sie in der Software oder an der Stickmaschine (das können viele Maschinen), oder mache Dir einfach schnelle Notizen auf der Farbkarte.

 

Geeignete Vliese

  • Die Stabilisierung für dünne, gewebte Stoffe ist vom Stickmuster abhängig.
  • Lockeres Stickmuster = Stickvlies zum Abreißen
  • Dichtes Stickmuster = 1 bis 2 Lagen Stickvlies zum Abreißen, besser ein Schneidevlies, besonders wenn das Stickgut öfter mal gewaschen wird
  • Stickvliese zum Abreißen von diversen Herstellern bekommt Ihr beim NähPark, dort gibt es ebenfalls die Stickvliese zum Abschneiden

Achtung! Stoff nie in Querrichtung besticken. So ist der Stoff dehnbar, also besser im oder gegen den Fadenlauf

Faktoren Stickexperiment 1:

  • dünner Baumwollstoff
  • Obergarn Stärke 40
  • Untergarn – Bobbinfill Stärke 60
  • Nadel – Universal Sticknadel NM75
  • Stabilisierung – 1 Lage Stickvlies zum Abreißen
  • Einspannung: Vlies eingespannt, Stoff aufgelegt und mit Heftrahmen befestigt
  • Machineneinstellungen – reduzierte Geschwindigkeit (3/4), reduzierte Oberfadenspannung
  • Gestickt auf BERNINA 700 im EXP Format

Faktoren Stickexperiment 2:

  • dünner Baumwollstoff
  • Obergarn Stärke 40
  • Untergarn – Bobbinfill Stärke 60
  • Nadel – Universal Sticknadel NM75
  • Stabilisierung – 1 Lage Stickvlies zum Abreißen
  • Einspannung: Vlies und Stoff eingespannt
  • Machineneinstellungen – reduzierte Geschwindigkeit (3/4), reduzierte Oberfadenspannung
  • Gestickt auf BERNINA 700 im EXP Format

Vergleich Muster 1 und Muster 2

In diesem Video könnt Ihr den Vergleich der beiden Muster sehen.

 

 

Faktoren Stickexperiment 3:

  • dünner Baumwollstoff
  • Obergarn Stärke 40
  • Untergarn – Bobbinfill Stärke 60
  • Nadel – Universal Sticknadel NM75
  • Stabilisierung – 1 Lage Stickvlies zum Abschneiden und Aufbügeln
  • Einspannung: Vlies und Stoff eingespannt
  • Machineneinstellungen – reduzierte Geschwindigkeit (3/4), reduzierte Oberfadenspannung
  • Gestickt auf BERNINA 700 im EXP Format

Vergleich Muster 2 und 3

In diesem Video könnt Ihr den Vergleich der beiden Muster sehen.

 

Sticken auf Canvas, Köper, Jeans

Alle drei Stoffarten sollte man bei solchen Mustern wie diesem mit einer Lage Reißvlies stabilisieren und auch einspannen. Es kostet nicht viel Zeit, und die Resultate sind auf jeden Fall besser. Ein dicker Stoff bewegt sich auch beim Sticken! Zu bemerken ist, dass das Resultat beim nicht Einspannen besser wäre als bei unseren Experiment Nr. 1.

Falls der Köper oder Jeansstoff Elastananteile hat, sollte man eine der untenstehenden Optionen wählen:

  • Vlies zum Abreißen und Aufbügeln
  • Schneidevlies zum Aufbügeln oder Schneidevlies mit Sprühkleber ankleben
  • Abreißbares Vlies mit Sprühkleber

Es geht dabei darum, dass die Dehnbarkeit des Stoffes temporär verhindert wird.

Fazit

Gut eingespannt und stabilisiert ist halb gestickt!

Wir haben gesehen, dass man tolle Erfolgserlebnisse hat, wenn man richtig und gut stabilisiert.

Manchmal liegt man mit seiner Entscheidung daneben, aber man sollte immer versuchen zu verstehen, warum etwas nicht geklappt hat, denn nur so kann man lernen und es das nächste Mal besser machen.

Und ja, manchmal ist auch die Stickdatei schuld!

Bis zum nächsten Mal!

 

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