Besser Sticken auf Jersey – Richtig Sticken lernen #4

Heute geht es weiter mit unserer Besser Sticken Serie 2. Im vierten Beitrag erklärt Kasia Euch das korrekte Sticken auf Jersey. Es gibt so viel, was man falsch machen kann und zu einem unbefriedigenden Stickergebnis führt, was uns selber zugegebener Maßen auch immer wieder passiert. Wir sind daher super happy über die Fortsetzung der Besser Sticken Serie und über das, was wir selber daraus mitnehmen! Daher einfach mal vorab ein dickes Dankeschön an die liebe Kasia <3

Besser Sticken Serie 2 – Sticken auf Jersey

Im ersten Beitrag haben wir im Absatz „Stickdateien verstehen“ darüber gesprochen, wie eine Stickdatei für den Haushaltbereich aufgebaut ist und welche Vor-und Nachteile das hat. Wer diesen Beitrag durchgelesen hat, dem wird klar, dass nicht alle Stickmuster auf allen Oberflächen problemlos gestickt werden können. Doodle, Redwork oder andere lockere Stickmuster sind bei einer korrekten Stabilisierung und Einspannung kein Problem auf dehnbaren Stoffen. Vollstickmuster sind dagegen eine besondere Herausforderung. Im Beitrag 3  haben wir sogar gesehen, dass unser kleiner Troll beim Sticken auf gewebter Baumwolle Probleme, aufgrund falscher Einspannung, verursacht hat. Wie sollte denn so ein Vollstickmuster dann auf Jersey oder Sweat funktionieren?

Viele solche Stickmuster sind einfach zu dicht für das Sticken auf Jersey oder Sweat. Das ist auch der Grund, weshalb viele solche Muster auf Stickfilz sticken, und diese dann auf das Projekt aufnähen oder aufbügeln. Fakt ist, dass z.B. in der Industrie solche Muster extra für das Sticken auf dehnbaren Materialien digitalisiert, respektive herausgegeben werden. Das macht einen riesen Unterschied beim Sticken. Viele meiner Stickmuster beinhalten eine „Jersey Version“, diese Praxis hat sich allerdings im Haushaltbereich noch nicht durchgesetzt. Sprich, die meisten Stickmuster die Ihr kauft, sind die sogenannten „Universalmuster“, was wiederum bedeutet, dass einige dieser Muster beispielsweise für Jersey überhaupt nicht geeignet sind.

In dieser kompletten Serie wollen wir Stickmaterialien, Tricks und Tipps kennenlernen, um einfach mehr Erfolge und Spaß beim Sticken zu haben! Konzentrieren wir uns also darauf, das Beste aus dem, was uns zur Verfügung steht, zu machen und finden Lösungen um bestmögliche Resultate zu erzielen. Hauptsache sind Erfolg und Spaß!

Gut eingespannt ist halb gestickt!

Ich weiß, habe ich schon mal gesagt… aber es ist so! Schaut Euch jetzt, wenn noch nicht gemacht, den Beitrag 2 an. Darin besprechen wir die unterschiedlichen Einspannmethoden. Ich verzichte in diesem Beitrag darauf, Dir zu zeigen, wie das Muster aussieht, da wir das in dem Beitrag schon sehr gut dokumentiert haben. Eine korrekte Stabilisierung und Einspannung ist in allen Fällen die halbe Miete, egal welches Material!

Ich würde grundsätzlich bei Vollstickmustern immer den Stoff einspannen und ein Schneidevlies benutzen. Ein Schneidevlies bleibt am Stoff und bewirkt, dass eine Stickerei nach dem Waschen nicht „kollabiert“. Kennt Ihr das, wenn eine Stickerei nach dem Waschen eine Art Beule bekommt und teilweise sogar verzogen ist? Das liegt am Vlies und ist, was ich als „kollabiert“ bezeichnet habe, in sich zusammengebrochen.

Welche Vliese für Wirkware?

Beim Sticken auf Jersey sollte die Stabilisierung und Einspannung die Dehnbarkeit des Stoffes temporär verhindern. Nur so ist es möglich, Wirkwaren optisch und qualitativ gut zu besticken.

Diverse Vliese bekommst Du oft in Blisterpackungen und als Meterware. Meterware ist in der Regel preiswerter.

 

Wasserlösliches Vlies (leichte/dünne Ausführung) wird eigentlich immer als Deckschicht aufgelegt. Das verhindert, dass die Stiche in dem weichen Stoff versinken.

Gängige im Handel erhältliche Marken sind: Sulky Solvy, Madeira Avalon Film

„Abdeckvlies“ – ein weiches Vlies zum Aufbügeln, um die Rückseite der Stickerei abzudecken damit diese nicht am Körper kratzt. Mein Tipp: schneide das Vlies mit abgerundeten Ecken zu. Das verhindert, dass sich das Vlies beim Waschen vom Kleidungstück ablöst.

Gängige im Handel erhältliche Marken: Madeira Comfort Wear

Lockere Muster: Klebevlies, wasserlösliches Klebevlies, abreissbares Vlies plus Sprühkleber, abreissbares und aufbügelbares Vlies.

Gängige im Handel erhältliche Marken:

Klebevliese: Sulky Filmoplast, Madeira Cotton Fix

 Wasserlösliche Klebevliese: Freudenberg Solufix, Madeira Avalon Fix

Abreissbares Vlies plus Sprühkleber: Sulky Tear Easy, Madeira Cotton Soft, Freudenberg Stitch and Tear

Vlies zum Abreisen und Aufbügeln: Madeira Cotton Stable

Vollstickmuster

Weiches Schneidevlies zum Aufbügeln ist mein Favorit, aber man bekommt auch sehr gute Resultate mit einem abreißbaren und aufbügelbaren Vlies. Ein weiches Schneidevlies in Verbindung mit Sprühkleber funktioniert auch.

Gängige im Handel erhältliche Marken:

Schneidevlies (Cut Away) zum Aufbügeln: Madeira Weblon Stable, Madeira Super Stable – ist am besten für sehr dichte Motive geeignet und ist relativ steif

Reissvlies (Tear Away) zum Aufbügeln: Madeira Cotton Stable, Sulky Totally Stable

Schneidevlies plus SprühkleberMadeira Super Web, Madeira Weblon Plus

Gut zu wissen!

Vliese wie Weblon Stable, Super Web und Weblon Plus sind die sogenannten „no show“ Vliese, was bedeutet, dass das Vlies unter hellen Stoffen keine Schatten wirft und somit nicht aufträgt und „unsichtbar“ ist.

Muss ich so viele Vliese im Nähzimmer haben?

Überhaupt nicht! Mir geht es nur darum zu zeigen, welche Vliese geeignet sind und gute Resultate liefern. Eines der genannten Vliese hast Du sicher bereits im Nähzimmer. Teste Dich aber ruhig durch und finde Dein Lieblingsvlies.

Mein Lieblingsvlies für das Sticken auf Wirkware ist das Weblon Stable. Dieses benutze ich für alle Muster, ob locker oder dicht.

Richtig einspannen!

Im Beitrag 2 haben wir unterschiedliche Einspannungsmethoden besprochen. In diesem Video zeige ich Euch genau, wie Wirkware für beste Ergebnisse eingespannt wird.

Zusammenfassung: 1. Korrekt stabilisieren inkl. Deckschicht, 2. Stickrahmen vorspannen, 3. Platzierung – siehe Beitrag 2, 4. Hoop Burn Vermeiden – siehe Beitrag 2, 5. Stickrahmen versenken

Am Ende dieses Videos sehen wir das abgestickte Muster.

Welche Nadeln für Wirkware?

Genau wie beim Nähen von Wirkware solltest Du auch beim Sticken eine Jersey Nadel (Ball Point) benutzen. Alle Nadeln mit mittlerer Kugelspitze sind geeignet, wobei es auch spezielle Sticknadeln Ballpoint Titan gibt.

Hilfsmittel

Bei dünneren Jersey-Stoffen erzielt man noch bessere Resultate, wenn man das Stickgut vorher mit Sprühstärke (aus dem Supermarkt) relativ steif besprüht. Das ist ein Trick welchen ich oft ein wenig nach dem Motto „doppelt hält besser“ anwende, sogar bei dünn gewebten Stoffen. Mein Gedankenweg ist hier immer, dass es weniger Zeit braucht den Stoff zu behandeln, als das Ganze neu zu sticken. Also doppelt gemoppelt gibt mir die Garantie, dass alles klappt.

Odif Fabric Booster ist ein Stofffestiger, welcher den Stoff sehr steif macht, fast wie Papier. Bei diesem Festiger könnte man sogar auf die Deckschicht der wasserlöslichen Folie verzichten.

Mein Tipp: sammle die Reste deiner wasserlöslichen Folien und löse diese in Wasser auf. Teste Deinen „Festiger“ an einem Stück Stoff. Sollte der Stoff nach dem behandeln (sprühen, einweichen) nicht steif genug sein, braucht die Mischung mehr Folie.

Alle hier beschriebenen Varianten von Festiger verschwinden nach dem Waschen, und es ist am besten, diese an der Luft trocknen zu lassen, anstatt sie trocken zu bügeln.

Das Stickmuster

Wie schon erwähnt, sind viele Vollstickmuster für das direkte Sticken auf Jersey eigentlich zu dicht. Unserer Troll-Stickmuster ist ziemlich dicht, aber mit den hier beschriebenen Tipps und Tricks erzielt man sehr gute Resultate.

Wer eine BERNINA Maschine hat, kann die Stichdichte direkt an der Maschine reduzieren – das liefert garantiert noch bessere Resultate. Eine Reduzierung der Stichdichte zwischen 10% und 30% ist optimal. Nicht jeder hat aber eine BERNINA.

Wenn Du eine Sticksoftware hast, kannst Du Die Stickdichte des Musters in der Sticksoftware vor dem Sticken reduzieren. Hierbei musst Du ein wenig testen. Wenn z.B. ein Steppstich im Original eine Dichte von .40 hat, reduzierst Du auf .50 oder .60.

In vielen Programmen hat man die Möglichkeit, die Stichdichteeinstellung automatisch auf den zu bestickenden Stoff einpassen zu lassen. Dazu gibt es in dem Hauptmenü einen Reiter, wo man die Stoffart auswählen kann.

Hier siehst Du, dass das Muster jetzt weniger Stiche hat und auf leichte Strickware eingestellt ist.

Bitte beachte, dass die Software eine Warnung hervorrufen wird.

Die besten Resultate bei dieser Methode bekommt man, wenn man die Orginaldatei im Raw-Format hat. Bei konvertierten Dateien ist die Änderung allerdings ausreichend, um ein besseres Stickbild zu erhalten.

Maschineneinstellungen

Beim Sticken auf Wirkware solltest Du Deine Oberfadenspannung ein klein wenig reduzieren. Das ist von Maschine zur Maschine unterschiedlich; das musst Du klein wenig testen, aber wenn Du es ein paar Mal gemacht hast, entwickelst Du ein Auge und Gefühl dazu.  An meiner Maschine ist die Standard-Spannung 3.0, und ich reduziere in der Regel auf 2.5. Zu enge Spannung verursacht, dass man den Unterfaden auf der Oberseite sieht, und bei Wirkware trägt eine reduzierte Oberfadenspannung dazu bei, dass es in der Stickerei und im Stoff weniger Zug gibt, was zusätzlich Falten und Wellen reduzieren kann. Die Rückseite Deiner Stickerei wird durch diese Einstellung auch viel sauberer aussehen.  In der Regel sollte eine optimale Spannung immer so sein, dass man auf der Rückseite an den Rändern ein wenig vom Obergarn sieht.

 

Mein Tipp: Benutze einen Bobbinfill Stärke 70 oder 80, um die Stickerei noch weicher zu bekommen. Die Standard-Bobbinfillstärke ist 60.

 

Ich hoffe, ich konnte Euch mit diesem Beitrag etwas Unterstützung geben, und wünsche Euch viel Spaß und Erfolg beim Sticken auf dehnbaren Materialien. Im nächsten Beitrag sticken wir auf Leder, Kunstleder und Wachstuch. Ich freue mich drauf!

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